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18.05.2009
Grand Hotel Giessbach, Brienz (BE)
Fotografie des ursprünglichen Gebäudes des Architekten Horace Edouard Davinet vor dem Brand 1883.
Fotografie des ursprünglichen Gebäudes des Architekten Horace Edouard Davinet vor dem Brand 1883. (© Hotelarchiv Schweiz/zvg)
Hotelarchiv

Bereits im frühen 19. Jahrhundert wurden die Wasserfälle am Giessbach bekannt. Der Brienzer Lehrer Johannes Kehrli errichtete um 1810 eine erste Sitzgelegenheit, 1822 eine Schutzhütte. Damals wurden viele Besucher durch die berühmten Schifferinnen von Brienz hinüber gerudert.

Hotelierfamilie Hauser beauftragt Davinet
1857 eröffneten die Gebrüder Rappard, politische Emigranten aus Preussen, ein erstes Hotel, das heutige Kurhaus in der rückseitigen Geländemulde. Nach dem Kauf der Liegenschaft durch die Hotelierfamilie Hauser 1870 beauftragte diese den bekannten Architekten Horace Edouard Davinet mit der Projektierung eines Hotelneubaus. Nach dessen Plänen entstand auf einer künstlich geschaffenen Terrasse ein nach Südwesten gerichteter Haupttrakt mit Blick über den unteren Brienzersee.

Hoteleigene Drahtseilbahn
Das 1875 eröffnete Gebäude besass bereits ein eigenes Gaswerk, eine Grosswäscherei, mehrere Badekabinette, zahlreiche Wasserklosetts und eine gedeckte Wandelbahn im «foresto-rustico»-Stil. Zur besseren Erschliessung erstellten die Gebrüder Hauser eine hoteleigene Drahtseilbahn, welche die Gäste seit der Sommersaison 1879 von der Schiffstation zum Hotel hinauf führt.

Wiederaufbau nach Grossbrand
Nach einem Grossbrand am 4. Oktober 1883 wurde sogleich ein Wiederaufbau geplant, allerdings nun im zeitgemässeren Schweizer Holzstil: an die Stelle der Kuppeln von 1875 traten schlanke Spitzhelme, die Dreieckgiebel wurden durch kräftig vorkragende Giebeldächer ersetzt. Bei der Wiedereröffnung im Juli 1884 leuchteten im neuen Hotel Giessbach die ersten elektrischen Lampen.

Rettung dank Stiftung
Nach mehreren Besitzerwechseln schloss das Hotel 1979 seine Tore, um nach dem Willen der Eigentümerschaft Platz zu machen für ein zeitgemässes Chalet-Appartementhaus. Eine Arbeitsgruppe unter der Federführung von Rudolf von Fischer, dem damaligen Berner Burgerratspräsidenten, setzte sich für die Erhaltung des traditionellen Hotelbaus mit seiner einmaligen Parkanlage ein. Dank der Unterstützung einer von Franz Weber ins Leben gerufenen Stiftung «Giessbach dem Schweizervolk» gelang die Rettung.

Historisches Hotel des Jahres 2004
Die gleichzeitig gegründete «Volks-AG» hatte in einem knappen Jahr drei Millionen Franken in der ganzen Schweiz gesammelt. Im Juni 1984 konnte der Hotelbetrieb provisorisch wieder aufgenommen werden. Am 1. Mai 1987 wurde die Eröffnung des mit Hilfe der Denkmalpflege restaurierten Hotels mit einem grossen Ball gefeiert. Seither erhielt auch die Drahtseilbahn mehrere technische Verjüngungskuren. Sie ist als älteste Drahtseilbahn der Schweiz aber immer noch weitgehend im Originalzustand erhaltenen. Für das Jahr 2004 erhielt das Hotel Giessbach vom Internationalen Rat für Denkmalpflege (Icomos) den verdienten Titel «Historisches Hotel des Jahres» zugesprochen.

Kunstführer zum Hotel Giessbach:

Schweizer Jürg, Rieker Roger. Grandhotel Giessbach. Schweizerische Kunstführer GSK, Serie 76, Nr. 751. Bern 2004.

Weitere Literatur zu den Hotels im Berner Oberland:

Flückiger-Seiler Roland. Hotelträume zwischen Gletschern und Palmen. Schweizer Tourismus und Hotelbau 1830-1920. Baden 2001. Seiten 110-133.

 

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Ansichtskarte mit Blick auf die Gesamtanlage im Giessbach (Fotomontage um 1910). <nobr>   (© Hotelarchiv Schweiz/zvg)</nobr>
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