Die Gästeströme der Grindelwlader V-Bahn würden gut gelenkt und bewegten sich in der Nähe der vorgesehenen Infrastruktur, teilte die Stiftung Unesco-Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch (Saja) an einer Pressekonferenz mit. Den Handlungsbedarf erachtet sie deshalb als klein.

Die Saja führte Besuchermonitorings im Jahr 2019 vor der Inbetriebnahme des Eiger Express und 2023 im dritten Betriebsjahr durch. Sie stellte fest, dass die Gäste seit der Inbetriebnahme der V-Bahn «wie erwartet mit dem Eiger Express auf das Jungfraujoch reisen», wie Saja-Projektleiterin Jessica Oehler sagt.

Direkter Weg zum Jungfraujoch
Die V-Bahn der Jungfraubahnen bringt Reisende in einer Kabinenbahn von Grindelwald hoch zum Eigergletscher. Von dort können sie per Zahnradbahn weiter aufs Jungfraujoch reisen. Zuvor reisten sie mit der Wengernalpbahn via Kleine Scheidegg zur Station Eigergletscher.

2023 benutzten knapp über 2 Millionen Personen den Eiger Express, wählten also den direkten Weg zum Jungfraujoch. Der Besucherstrom verlagerte sich von der Kleinen Scheidegg hin zur Station Eigergletscher, wie Oehler erklärt. Dennoch sei die Kleine Scheidegg im Sommer ein beliebtes Ziel bei Wanderern und im Winter ein wichtiger Ausgangspunkt für den Wintersport.

Herausforderung Wildruhegebiete
Die Besucherfrequenzen an den untersuchten Standorten Eigerwalk, Eigertrail, Moräne, Wengernalp und Rotstöcki blieben im Untersuchungszeitraum auf einem ähnlichen Niveau. Die Saja stellt entgegen früheren Befürchtungen keine Zunahme von Verstössen oder Konflikten zwischen Mensch und Natur fest. Dennoch sei eine der Herausforderungen die Rücksichtnahme auf Wildruhegebiete.

Der Handlungsbedarf sei klein, die Saja und die Jungfraubahnen wollen einzelne kleinere Massnahmen umsetzen. Dazu gehören etwa das Aufstellen von Informationstafeln und die Sensibilisierung der Gäste für die Region als Teil des Unesco-Welterbes. Weiter sollen zusätzliche Personen, die den Gästestrom lenken, zum Einsatz kommen.

Die Saja zeigte ebenfalls auf, dass die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von Gästen in der ganzen Region zurückging. Das sei vor allem mit der verkürzten Reisezeit via Eiger Express auf das Jungfraujoch zu erklären, sagte Oehler.

«Erste S-Bahn der Alpen»
Urs Kessler, CEO der Jungfraubahnen, zeigte sich zufrieden mit den Untersuchungsergebnissen. Die V-Bahn und der gesamte ÖV seien sehr wichtig für die Region. Weitere Investitionen seien geplant. Die Berner-Oberland-Bahn habe 10 neue Triebzüge für eine Erhöhung der Kapazität bestellt, sagte Kessler.

Künftig werde ein Viertelstundentakt zwischen Interlaken Ost und Grindelwald angestrebt. «Wir wollen die erste S-Bahn der Alpen», so Kessler. (keystone-sda)

Studie zu Besucherströme
Die Unesco hatte vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) einen Vergleich der Besucherströme vor und nach dem Bau der V-Bahn gefordert. Dies, um eine allfällige Beeinträchtigung des «aussergewöhnlichen universellen Werts» der Unesco-Weltnaturerbestätte durch die neue Bahn auszuschliessen. Die Hochgebirgslandschaft um Eiger, Mönch und Jungfrau gehört seit 2001 zum Unesco-Weltnaturerbe.

Die Studie, welche die Saja im Auftrag des Bafu und zusammen mit dem Geografischen Institut der Universität Bern durchführte, ist noch nicht veröffentlicht.

[RELATED]