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Dossier: Fachbeiträge
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Dossier: Fachbeiträge

Fachbeiträge aus der Branche

Finden Sie hier spannende und interessante Fachbeiträge von Experten aus der Branche.

Fachbeitrag

Es gilt nun, die Branche zu transformieren

Die Auswirkungen der Pandemie werden sich erst noch zeigen. Umso mehr gilt es nun, die Branche zu transformieren und innovative Lösungen zu implementieren.
Mobiles Arbeiten macht es möglich – da arbeiten, wo andere Ferien machen.
Mobiles Arbeiten macht es möglich – da arbeiten, wo andere Ferien machen. Bild: iStockphoto
Bild: iStockphoto

Seit bald zwei Jahren begleitet uns die Corona-Pandemie in allen Lebensbereichen und mit ihr das Gefühl des Ausnahmezustands. Altvertraute Themen wie Digitalisierung oder Strukturwandel sind plötzlich in den Hintergrund getreten. Sie sind wegen der Krise aber nicht inexistent geworden. Die von der öffentlichen Hand ergriffenen Massnahmen konnten die coronabedingten Einschnitte weitgehend ausgleichen – und die strukturellen Veränderungen in der Ferienhotellerie für den Moment einfrieren. So ist beispielsweise die Zahl der Konkurse nicht so hoch ausgefallen wie zunächst befürchtet.

Es gilt, sich nicht in falscher Sicherheit zu wiegen
Die Meldungen der letzten Wochen zum steigenden BIP, dem sich erholenden Konsum und der Wertschöpfungssteigerung im Dienstleistungssektor geben Grund zur Hoffnung, dass auch der Schweizer Tourismus und mit ihm die Ferienhotellerie mit einem blauen Auge davonkommen werden. Gleichzeitig dürfen diese positiven Nachrichten aber nicht zu einer Fehleinschätzung der Situation führen. Die tat-sächlichen Auswirkungen der Krise werden sich erst nach einiger Zeit und nach Auslaufen aller Massnahmen zeigen. Dann werden allerdings die Folgen der Pandemie sowie die altbekannten Kräfte gemeinsam auf die Branche wirken.

Ziel sollte deshalb nicht sein, zum Vorkrisenzustand zurückzukehren. Die Ferienhotellerie hat während der Pandemie grossen Ideenreichtum, hohe Flexibilität und guten Kooperationsgeist gezeigt. Viele neue Konzepte sind entstanden und wurden in kürzester Zeit realisiert, so zum Beispiel innovative Angebote im Bereich von Homeoffice-im-Hotel, Langzeitaufenthalten (Staycation) oder Take-away und Lieferservices. Jetzt gilt es, diesen neu entstandenen Schwung zu nutzen, die Branche zu transformieren und zukunftsfit umzubauen. Statt einer Phase der Erholung (Recovery) muss deshalb eine der Neuentdeckung (Transcovery) eingeläutet werden. [DOSSIER]

Neue Gästewünsche zur Produktentwicklung nutzen
Eine sehr grosse Zahl Schweizer Gäste hat in den vergangenen Monaten die eigene Heimat als Reiseziel wiederentdeckt. Dies bietet eine unglaubliche Chance, sich diese Klientel dauerhaft zu erschliessen, indem unsere Ferienhotels durch herzliche Gastfreundschaft und hohe Qualität überzeugen. Hier gilt es, für die neu gewonnenen Gäste ein offenes Ohr zu haben und genau aufzunehmen, wofür sie sich begeistern, und das Hotelangebot entsprechend daran auszurichten. Zwar führen die aufgestauten Feriensehnsüchte nach Strand und Meer unwillkürlich zu einem höheren Reiseaufkommen ins Ausland, sobald wieder unbeschwert gereist werden kann, aber die alten und hoffentlich positiven Erinnerungen bleiben und führen den einen oder anderen Gast wieder zurück.

Fachkräftemangel mittelbar und unmittelbar beheben
Bekanntlich hat sich durch die Krise die Fachkräftesituation deutlich verschärft. Um heutzutage für Mitarbeitende attraktiv zu sein, ist bei den Ferienhotels ein hohes Mass an Flexibilität gefragt. Neben der Schaffung von Teilzeitstellen, geeigneten Qualifizierungsmassnahmen für Quereinsteigende oder Späteinsteigende (50+) muss dringend am eigenen Employer Branding gearbeitet werden, damit unter anderem auf Social Media junge Menschen erreicht und begeistert werden können. Dagegen sind die grossen Herausforderungen im Bereich der Personalunterbringung häufig nur von mehreren Hotels in Zusammenarbeit mit der Gemeinde zu meistern, denn Wohnraum für Einheimische ist knapp und teuer.

Das Thema Fachkräftemangel muss deshalb ebenfalls mittelbar angegangen werden, denn in einer Branche mit vergleichsweise tiefer Arbeitsproduktivität können erfahrungsgemäss nur eher wenig attraktive Löhne bezahlt werden. Daher liegt der entscheidende Schlüssel in der Optimierung der Kostenstrukturen und im Einsatz der frei werdenden Mittel in der Schaffung eines besseren Vergütungsniveaus. Dies kann einerseits durch den Einsatz von Digitalisierung in Backend-Prozessen (beispielsweise im Wareneinkauf oder bei der Personalplanung) erfolgen oder durch die Nutzung von Synergien bei der Zusammenlegung von betrieblichen Aufgaben mit anderen Hotels (etwa im Housekeeping, beim Unterhalt, im Marketing oder der Vorproduktion von Speisen). Egal, welchen Weg ein Unternehmen wählt, es braucht viel Anstrengung und Engagement, anfängliche Investitionen und vor allem den Sprung über den eigenen Schatten.

Mit Kraft aus der Krise und in eine neue Zeit
Um den anstehenden Strukturwandel bewältigen zu können, muss sich jeder Betrieb fragen, was sich in der Krise bewährt hat, was mit in eine neue Zeit getragen werden soll und wie dies in einem «neuen», erstarkten Betrieb aufgehen kann. Der Einschnitt, den die Corona-Pandemie hinterlassen hat, muss zum Anlass genommen werden, nicht nur mehr im Betrieb zu arbeiten, sondern vor allem mehr am Betrieb zu arbeiten. Nur so kann die «Transcovery» gelingen und der betriebliche Fortbestand gesichert werden.


Fachautorin Lena Pescia ist Dr. rer. soc. und Dozentin für Tourismusmanagement am Institut für Tourismus und Freizeit (ITF) der FH Graubünden und widmet sich unter anderem der Untersuchung von neuen Lebens- und Arbeitsformen im Tourismus.[IMG 2]


Fachautor Norbert Hörburger ist Prof. FH und stellvertretender Leiter Forschung & Dienstleistung am Institut für Tourismus und Freizeit (ITF) der FH Graubünden und beschäftigt sich schwerpunktmässig mit Tourismusinfrastrukturen und -immobilien.[IMG 3]

Fachbeitrag

Wann macht es Sinn, Airbnb als Distributionskanal einzubinden?

In den letzten Jahren ist das Airbnb-Geschäft drastisch gewachsen. Gleichzeitig bietet die Reichweite des Kanals die Möglichkeit, erfolgreich das eigene Hotel zu vertreiben.
Wie gehe ich als Hotel mit der Angebotsausweitung von Airbnb um? Wie kann ich meine Performance verbessern?
Wie gehe ich als Hotel mit der Angebotsausweitung von Airbnb um? Wie kann ich meine Performance verbessern? Bild: airbnb.ch/zvg
Bild: airbnb.ch/zvg

Um in einem Marktumfeld gut zu performen, sind eine klare Positionierung und die Ausrichtung des Angebots auf die Nachfrage essenziell, mit und ohne Airbnb. Darum ist es in einem ersten Schritt wichtig, dass Hoteliers und Hotelièren lokale Airbnb-Angebote ernst nehmen und das eigene Hotel dieser Konkurrenz gegenüber klar positionieren.

Um die Marktstellung des eignen Hotels abzugrenzen, gibt es kein Universalkonzept. Als Erstes sollten Hotelbetreiberinnen und -betreiber identifizieren, ob das eigene Angebot mit dem der Airbnb-Anbieter vergleichbar ist. In einer zweiten Überlegung geht es darum, entweder a) die Differenzierungsmerkmale klar zu betonen, falls das Angebot nicht vergleichbar ist, oder b) die Alleinstellungsmerkmale (USPs) deutlich zu bewerben, falls das Angebot ähnlich ist.

Die folgenden Überlegungen können dabei helfen:

Überlegung 1 – Definition des eigenen Werteversprechens
Natürlich ist das Wissen um das eigene Werteversprechen für Hoteliers und Hotelièren essenziell. Die Vorzüge müssen aber auch für den Gast verständlich formuliert sein. USPs sind oft nicht bauliche oder geografische Eigenschaften, sondern Dienstleistungen und Produktangebote, die das Hotel in den Augen der Gäste von anderen Übernachtungsangeboten abheben. Natürlich ist es auch wichtig, zu verstehen, welche Aspekte von Gästen gelobt und welche bemängelt werden.

Überlegung 2 – Analyse des Airbnb-Angebots
Als Hoteliers und Hotelièren müssen Sie das Airbnb-Angebot analysieren, um zu verstehen, was Gäste schätzen und was die USPs sind. Fragen, die Sie sich dazu stellen können: Was ist das Werteversprechen des lokalen Airbnb-Angebots? Werden zusätzlich zu Übernachtungen Erlebnisse offeriert? Was beinhalten diese? Wie lokal verankert oder authentisch sind die Angebote? Wie lassen sich die Preise mit Hotelpreisen vergleichen? Was wird geschätzt, was bemängelt?

Überlegung 3 – Was wollen die Gäste?
Führen Sie sich nochmals vor Augen, warum die Gäste in Ihre Destination kommen, welche Erwartungen die Gäste an die Destination haben? Fragen, die Sie sich dazu stellen können: Was erwarten die Gäste in Ihrer Destination? Suchen sie eine reine Übernachtungsgelegenheit? Haben sie ihren Besuch durchgeplant, oder wünschen sie lokale Ideen? Erwarten sie eine «Arbeitsecke»? Wie lange bleiben die Gäste im Durchschnitt?

Überlegung 4 – Abgleich von Gästebedürfnissen und Angebot
Es ist wichtig, aus Sicht der potenziellen Gäste neutral zu vergleichen, welche Gästebedürfnisse vom eigenen Hotel abgedeckt werden und welche von Airbnb. Gibt es Bedürfnisse, die von den Airbnb-Angeboten adressiert werden und vom eigenen Hotel nicht? Könnten diese Bedürfnisse auch vom eigenen Haus erfüllt werden? Was hält Sie zurück, diese Angebote zu offerieren? Wenn die Angebote verschiedene Bedürfnisse abdecken, ergibt es Sinn, diese Unterschiede herauszustreichen und bekannt zu machen.

Erfolgsfaktoren, die möglicherweise übernommen werden können
Für gewisse Hotels kann es durchaus Sinn machen, direkt mit Airbnb-Angeboten zu konkurrieren, wenn das Angebot und das Werteversprechen ähnlich sind. Generell sind Airbnb-Angebote erfolgreich, da sie:
→ Authentizität, lokale Verankerung, persönlichen Service, personalisierte und individuelle Ansprache versprechen
→ lokale und oder persönliche Erlebnisse anbieten
→ Privatsphäre und Kontrolle über Kontakt während des Aufenthalts ermöglichen
→ attraktive Raten bei längerer Aufenthaltsdauer offerieren (oftmals auf digitale Nomaden/ Workations fokussiert)
Wenn ein Haus also ähnlich positioniert ist, das heisst einen individuellen Charakter hat, persönlichen Service leisten kann, authentisch in der Destination verwurzelt ist, klein ist und keiner grossen, als «Corporate» anmutenden Kette angehört, dann ergibt es durchaus Sinn, sich zu überlegen, welche Angebote und Dienstleistungen Sie a) ausweiten können und wie Sie diese b) effektiv kommunizieren, sodass Ihr Angebot mit Airbnb verglichen werden kann und Sie dabei besser abschneiden.

Falls ein Haus anders ausgerichtet ist, das heisst zum Beispiel auf grössere Gruppen oder Konferenzen, mehr als 30 Zimmer hat, verschiedenste Dienstleistungen mit Resort-Charakter anbietet, dann ist es sinnvoll, klar zu identifizieren, welche anderen Bedürfnisse das Haus bedient, und diese Leistungen klar zu kommunizieren. Die Unterschiede liegen oft in der Fülle und Breite der zentral angebotenen Dienstleistungen und z. B. der Sicherheit, die vor allem für weibliche Alleinreisende oftmals ein Faktor ist.

Es ist wichtig, aus Sicht der Gäste neutral zu vergleichen, welche Bedürfnisse vom Hotel abgedeckt werden und welche von Airbnb.

Airbnb als Distributionskanal für das Hotel
Es kann für bestimmte Hotels durchaus eine Option sein, Airbnb als Distributionskanal zu nutzen. Die Vorteile sind klar: ein zusätzlicher Kanal mit grosser Reichweite in ein neues Segment, meist weniger Kommission verglichen mit OTAs (14–16 %), direkte Kommunikation und somit Kenntnis der Bedürfnisse der Gäste.
Die Anforderungen sind aber auch sehr klar: Die Erwartung der Gäste an lokale und individuelle Unterkünfte und die persönliche und schnelle Kommunikation per Whatsapp muss das Hotel übernehmen und garantieren können. Die unterschiedlichen Anforderungen der Gäste und der Mehraufwand, das Tool zu benutzen und zu pflegen (jedes Zimmer muss einzeln aufgeführt werden, keine Verbindung zum bestehenden PMS & CRM), sind zusätzliche Abwägungen, die man sich bewusst sein muss.

Durch den rasch wachsenden Anteil von Airbnb-Angeboten in den letzten Jahren und den entsprechenden Einfluss ist es wichtig, dass Hoteliers sich mit Airbnb bewusst auseinandersetzen. Nicht immer macht es Sinn, direkt zu konkurrieren – manchmal ist die Kommunikation von Angeboten, die Airbnb nicht leisten kann, die beste Strategie. Wenn das Angebot jedoch ähnlich ist, können Hoteliers von Airbnb-Angeboten lernen und die Plattform sogar als zusätzlichen Distributionskanal einbinden.

Inwiefern die Regulierung von Airbnb und Co. die Auslastung der Hotelerie beeinflusst, erfahren Sie im Beitrag von Selina Steiner.

Die Fachautorin ist Managing Director bei G&B Travel and Hospitality Partners Switzerland.

Fachbeitrag

Hotellerie vs. Sharing-Economy-Plattformen - Die Rivalität ist Realität

Die Hotellerie ist vor negativen Auswirkungen von Beherbergungsplattformen nicht gefeit. Sie sollte genau hinschauen, wenn es um die Regulierung von Airbnb und Co. geht.
Plattformen wie Airbn stehen trotz Pandemie hoch im Kurs.
Plattformen wie Airbn stehen trotz Pandemie hoch im Kurs. Bild: swiss-image.ch/Christof Sonderegger
Bild: swiss-image.ch/Christof Sonderegger

Die Kurzzeitvermietung von Wohnungen und Zimmern über Plattformen wie Airbnb, Wimdu & Co. steht trotz Pandemie hoch im Kurs. Airbnb als bekannteste Kurzzeitvermietungsplattform hatte in den wichtigsten Hotelmärkten weltweit bereits vor Covid-19 einen Marktanteil von 2 bis 9 Prozent am Beherbergungsmarkt erreicht. Eine Trendwende beim Marktanteilswachstum dieses wohl prominentesten Vertreters der Sharing-Economy-Plattformen ist trotz der aktuellen Krise nicht in Sicht, und es kann davon ausgegangen werden, dass der Vermietungsgigant aus San Francisco seine Marktmacht mittelfristig hält oder gar noch weiter ausbaut.

Aller Popularität zum Trotz hat Airbnb jedoch beträchtliche negative Auswirkungen auf eine Vielzahl von Akteuren. Da Kurzzeitvermietungen tendenziell lukrativer sind als langfristige Mietverträge, geht mehr und mehr bezahlbarer Wohnraum für die einheimische Bevölkerung verloren. Einwohnerinnen und Einwohner können so aus touristisch attraktiven Quartieren verdrängt werden und müssen den Platz verstärkt Touristinnen und Touristen überlassen. Ausserdem häufen sich weltweit Klagen der lokalen Bevölkerung, die wegen der «Airbnbsierung» eine Verschlechterung der Lebensqualität in Kauf nehmen muss: Sei dies aufgrund steigender Lärmbelastung, weil die Verkehrsmittel und Strassen überlastet sind oder auch wegen ungebührlichen Benehmens der Gäste.

Viele Städte weltweit haben auf die entstandenen Fehlentwicklungen reagiert und bereits Regulierungen von Kurzzeitvermietungsplattformen umgesetzt.

Daher ist es nicht weiter erstaunlich, dass der Regulierungsdruck hinsichtlich solcher Vermietungsportale in letzter Zeit massiv gestiegen ist. Viele Städte weltweit haben auf die entstandenen Fehlentwicklungen reagiert und bereits Regulierungen von Kurzzeitvermietungsplattformen umgesetzt – oder stehen kurz davor.

Auch die traditionelle Hotellerie ist vor negativen Auswirkungen von Beherbergungsplattformen nicht gefeit – und sollte, wenn es um die Regulierung von Airbnb und ähnlichen Unternehmen geht, deshalb ganz genau hinschauen.

Der Einfluss von Airbnb auf die traditionelle Hotelindustrie
Dass Airbnb und die traditionelle Hotelindustrie zumindest bis zu einem gewissen Grad als Substitute betrachtet werden können, ist bereits seit einiger Zeit durch die Tourismusforschung erwiesen. Konsumenten fragen in erster Linie das Kernprodukt Übernachtung nach – ein Bedürfnis, welches sowohl von einem traditionellen Hotel als auch einer Wohnung oder einem Zimmer über die Plattform von Airbnb erfüllt werden kann. Die Rivalität beim Werben um die Gunst des Gastes ist damit Realität.

Airbnb ist kein kurzfristiges Modephänomen, und die Hotels haben im Wettbewerb mit ungleich langen Spiessen zu kämpfen.

Airbnb ist kein kurzfristiges Modephänomen. Dass das Businessmodell von Airbnb aktuelle und längerfristige Trends des Reisens, wie beispielsweise den Wunsch nach mehr Individualisierung und Authentizität, aufgreift, macht das Unternehmen aus Kalifornien zu einem umso gefährlicheren Konkurrenten für Hotels. Diese haben im Wettbewerb ohnehin mit ungleich langen Spiessen zu kämpfen: Hotels haben, im Gegensatz zu kurzzeitvermieteten Liegenschaften, eine erhebliche Anzahl an gesetzlichen Vorschriften einzuhalten, beispielsweise bezüglich Hygiene, Sicherheit und Arbeitnehmerschutz. Ebenfalls ist die Steuerlast, welche Hotels im Vergleich zu Airbnb-Wohnungen zu tragen haben, bedeutend höher, wobei nicht deklarierte Einnahmen und Kurtaxen aus Kurzzeitvermietungen ein zusätzliches Problem darstellen.

Dies alles sind marktverzerrende Faktoren, welche Anbietern von Liegenschaften über Airbnb im Vergleich zu Hotels eine kompetitivere Preisgestaltung erlauben und umgekehrt dazu führen, dass sich die Hotellerie einem unfairen Wettbewerbsnachteil zu stellen hat.

Vorschriften haben eine positive und direkte Auswirkung auf die Hotels
Eine striktere Regulierung von Kurzzeitvermietungen erlaubt es nicht nur, diesen unfairen Wettbewerbsnachteil zumindest teilweise auszugleichen. Zum ersten Mal zeigen nun neuste Forschungsergebnisse auf, dass die Hotellerie direkt und unmittelbar von diesen Massnahmen profitiert. Aufgrund der beschränkten Verfügbarkeit von Daten über Airbnb-Kurzzeitvermietungen für die Schweiz wurden in der Studie fünf europäische Städte und ihre verschiedenen Regulierungen bezüglich Kurzzeitvermietungen quantitativ untersucht.

Die Regulierungsformen der untersuchten Städte variieren stark, der Umfang reicht von vernachlässigbaren Vorschriften bis hin zu De-facto-Verboten. Was jedoch alle untersuchten Städte gemein haben, sind die positiven Auswirkungen dieser Regulierungen auf die Hotellerie: Die Einführung oder Verschärfung von Vorschriften, welche Kurzzeitvermietungen regulieren, hat eine positive und direkte Auswirkung auf die Performance des traditionellen Hotelgewerbes, genauer gesagt auf dessen Auslastungsgrad. Werden also neue Regulierungen eingeführt oder die bestehenden intensiviert, so profitieren Hotels von mehr Gästen. Mit Ausnahme der Luxushotellerie ist dieser Effekt zudem für alle Hotelsegmente beobacht- und nachweisbar. Und was für Städte des europäischen Auslandes gilt, kann auf die Schweiz übertragen werden.[RELATED]

Der Schweizer Markt bildet keine Ausnahme
Auch in der Schweiz steht Airbnb zunehmend in der Kritik und veranlasst die Behörden, ihr Augenmerk auf die Thematik zu richten. So gilt beispielsweise in Interlaken für Kurzzeitvermietungen seit kurzem eine Mindestaufenthaltsdauer von drei Tagen, und in Luzern hat die SP gemeinsam mit dem Mieter- und Hauseigentümerverband eine Initiative lanciert, welche verlangt, dass Wohnungen nur noch an maximal 90 Tagen pro Jahr an Touristinnen und Touristen vermietet werden dürfen.

Werden nun die Ergebnisse der Studie auf den Schweizer Markt übertragen, ist davon auszugehen, dass auch hier die Stadthotellerie von einer verstärkten Regulierung der Kurzzeitvermietung in Form einer höheren Auslastung ihrer Zimmer profitieren würde.

In Anbetracht des Wettbewerbsnachteils der Hotellerie sind kontextabhängige und zielgerichtete Regulierungen aus Sicht des traditionellen Hotelgewerbes klar zu empfehlen.

Das Marktumfeld wurde durch die Covid-19-Pandemie für die Schweizer Stadthotellerie nicht einfacher, deshalb ist es umso wichtiger, dass Hoteliers Airbnb & Co. als ernst zu nehmende Rivalen erkennen.

In Anbetracht des Wettbewerbsnachteils der Hotellerie sind kontextabhängige und zielgerichtete Regulierungen aus Sicht des traditionellen Hotelgewerbes klar zu empfehlen. Einerseits werden so die negativen Auswirkungen der Beherbergungsplattformen auf andere Lebensbereiche abgeschwächt und erhebliche Marktverzerrungen ausgeglichen. Andererseits profitieren Hotels gemäss aktuellen Forschungsergebnissen nachweisbar und substanziell, indem der Auslastungsgrad der Zimmer gesteigert werden kann.

Die Fachautorin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Tourismus und Freizeit (ITF) der FH Graubünden und erforscht unter anderem die Auswirkungen der Sharing Economy und von Airbnb auf die Hotellerie. Selina Steiners komplette Studie finden Sie hier.

Fachbeitrag

Leistungsträger früh ins Boot holen

Ein wegweisendes Projekt bietet Destinationen, die sich nachhaltig ausrichten wollen, ein wertvolles Arbeitsinstrument. Aber ohne Leistungsträger geht es nicht.
E-Bikes in Samnaun: Die Region liefert ein wertvolles Handbuch, das den weiten Weg zur nachhaltigen Destination aufzeigt.
E-Bikes in Samnaun: Die Region liefert ein wertvolles Handbuch, das den weiten Weg zur nachhaltigen Destination aufzeigt. Bild: Filip Zuan
Bild: Filip Zuan

Hotellerie und Gastronomie sind der zentrale Ort, an welchem Nachhaltigkeit in einer Destination gelebt wird: der bewusste Umgang mit den Ressourcen, der Genuss der regionalen Spezialitäten und die herzliche Gastfreundschaft.

Eine Tourismusdestination tut gut daran, diese Leistungsträger möglichst früh mit ins Boot zu holen und sie für den Wert der nachhaltigen Ausrichtung zu sensibilisieren. Kein anderer Leistungsträger steht so direkt und persönlich im Kontakt mit dem Gast wie die Hotellerie. Sie kann ihn auf die besonderen Angebote der Destination und des Betriebs aufmerksam machen. Das beinhaltet beispielsweise ein saisonales Speiseangebot mit lokalen Spezialitäten, den Hinweis auf kulturelle Veranstaltungen und regionale Besonderheiten sowie den Einklang mit Fauna und Flora bei Ausflügen in die Natur.

Das Ganze ist mehr als die Summe der Einzelteile
Umsetzungshilfen für die internen Prozesse erhalten die Hotels von anerkannten, branchenspezifischen und praxisorientierten Zertifizierern. Die neutrale Überprüfung der Kriterien und Massnahmen dient auch einer glaubwürdigen Kommunikation.

Die Tourismusdestination Engadin Samnaun Val Müstair hat sich bereits in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht mit naturnahem und respektvollem Tourismus. Dieser wegweisende Schritt und das damit verbundene Commitment dürften sich wohl in der derzeitigen, von Schweizer Feriengästen geprägten Zeit positiv auswirken.

«Der Weg zu einer allfälligen Nachhaltigkeitsauszeichnung ist weit.»

Anita Gschwind

Geschäftsleiterin des Nachhaltigkeitslabels Ibex Fairstay

Ein Blick in das soeben veröffentlichte – und frei zugängliche – Handbuch zeigt jedoch, dass der Weg zu einer allfälligen Auszeichnung weit ist und geprägt von vielen kleinen Massnahmen im Vorfeld. Dieser Prozess ist massgeblich für die spätere Identifikation aller Beteiligten, welche dafür sorgen, dass die neue Kultur erleb- und spürbar ist. Es sind eben genau die Leistungsträger, und insbesondere deren Mitarbeitende, die das Angebot gestalten und im direkten Kontakt mit den Gästen sind. Das fordert bisweilen einen Kulturwandel im einen oder anderen Unternehmen.

Tue Gutes und sprich darüber
Die Bergbahnen haben in den letzten Jahren auch schon enorm viel unternommen in Sachen Nachhaltigkeit; beispielsweise Ressourcen wie Wasser und Strom eingespart. Das zahlt sich für die Unternehmen finanziell aus. Es geht nun darum, diese Bestrebungen weiterzuverfolgen, die negativen Auswirkungen auf die Biodiversität zu reduzieren und die Öffentlichkeit darüber zu informieren. Ganz unter dem Motto «Tue Gutes und sprich darüber».

Wichtig dabei ist die Überprüfbarkeit anhand von Kennwerten im Mehrjahresvergleich. Bei der Gästelenkung stehen der öffentliche Verkehr und der Langsamverkehr im Zentrum. Dies nicht in Form von Verboten, sondern mit attraktiven Angeboten. Auch das lokale Gewerbe kann mitwirken, indem es einen Rundum-Mietservice von Ski- oder Wanderausrüstung bietet und dadurch dem sportlichen Gast eine ressourcenschonende Sharing-Lösung anstelle eines Kaufs ermöglicht.

Die Zusammenarbeit von unterschiedlichen Leistungsträgern einer Destination erhält mit dem erwähnten Handbuch ein wertvolles Werkzeug und neuen Schwung. Es geht um die Entwicklung von innovativen Konzepten und das Schnüren von ressourcenschonenden Packages, welche dem Gast den Mehrwert des Erlebens und Entdeckens ermöglichen.

Kooperationen für die nach­haltige Ausrichtung
Die Kooperationen mit ausgewählten Partnern fördern das Miteinander und somit das gegenseitige Vertrauen und Verständnis – ganz zu schweigen von den personellen und finanziellen Ressourcen, die durch Effizienzsteigerung und Aufgabenteilung eingespart werden können.

Eines darf jedoch bei der nachhaltigen Ausrichtung einer Tourismusdestination nicht aus den Augen gelassen werden: der Mensch. Er steht im Mittelpunkt – als Personal mit fairen, fördernden Arbeitsbedingungen, als Gast, der mit allen Sinnen die Destination entdecken möchte, und als Bevölkerung, die durch aktives Mitwirken den Besuchenden stolz ihre Heimat und Gastfreundschaft näherbringen darf. Packen wir es an. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Fachautorin Anita Gschwind ist diplomierte Restauratrice-Hotelière HF, Erwachsenenbildnerin und ausgebildete Köchin. Mit Wurzeln in der Landwirtschaft, liegt ihr der nachhaltige und sorgfältige Umgang mit den natürlichen Ressourcen am Herzen. Seit August 2016 leitet sie die Geschäftsstelle des Nachhaltigkeitslabels Ibex Fairstay.

Fachbeitrag

Pflege und Lebensdauer des Bettes: Was guten Schlaf ausmacht

Hygiene und Sauberkeit sind das A und O für zufriedene Gäste. Gerade das Bett als Kernstück des Hotelzimmers sollte einwandfrei sauber sein. Wie lässt es sich optimal pflegen, und welche Lebensdauer ist von qualitativ hochwertigen Produkten zu erwarten?
Der Gast hat ein frisches Bett verdient. Neue Bettwäsche reicht da jedoch nicht. Adobe Stock
Der Gast hat ein frisches Bett verdient. Neue Bettwäsche reicht da jedoch nicht. Adobe Stock
Fachautorin Alexandra Burkart von Hilding Anders Switzerland AG.
Fachautorin Alexandra Burkart von Hilding Anders Switzerland AG. Bild: zvg
Bild: zvg

Fachbeitrag von Alexandra Burkart von Hilding Anders Switzerland AG, zu der die Marken BICO und Happy Professional gehören.

Damit Gäste sich in ihren Zimmern rundum wohlfühlen und gut schlafen, sollten Sie ihnen eine hygienisch einwandfreie Schlafstätte bieten können. Dabei spielen neben der Matratze das Duvet, die Kissen und die Bettwäsche eine ausschlaggebende Rolle für das Schlafklima. Mit einer professionellen Reinigung der Bettwäsche nach jedem Gästewechsel alleine ist es jedoch nicht getan. Das ganze Bettsystem erfordert regelmässige und fachgerechte Pflege, um Pilzen, Milben und Bakterien effektiv entgegenzuwirken.

Tägliches Lüften ist ein Muss für ein optimales Schlafklima. Denn von den Gästen werden in jeder Nacht Feuchtigkeit und Wärme in die Schlafumgebung abgegeben. Dabei sollte nicht nur ins Zimmer frische Luft hereingelassen werden. Auch die Kissen, die Bettdecke und die Matratze müssen auslüften können, damit die Feuchtigkeit der Nacht richtig entweichen kann. Schütteln Sie zudem Daunen und Federdecken aus, damit die Füllung nicht verklebt oder an Rückstellkraft verliert.

Das regelmässige Wenden der Matratze spielt für eine optimale Abtrocknung eine entscheidende Rolle.

Alexandra Burkart

Die Bettwäsche sollte bei jedem Gästewechsel bei einer Wäsche von mindestens 60 °C gereinigt werden. Erst bei diesen Temperaturen werden Milben, Bakterien und Viren abgetötet. Neben der hohen Temperaturtoleranz ist auch die Luftdurchlässigkeit der Materialien ein Muss.

[IMG 2]Duvets und Kissen sollten Sie neben dem täglichen Ausschütteln mindestens einmal im Quartal gemäss den Hinweisen der Reinigungsetiketten waschen lassen. Bei sichtbaren Verschmutzungen sollten sie hingegen umgehend gereinigt werden. Für eine Allergiker-freundliche Umgebung ist die Reinigung alle sechs Wochen erforderlich. Auch das Nutzen von Encasings für die Bettwäsche ist hinsichtlich des Milbenschutzes zu empfehlen. Damit Ihre Gäste gut schlafen können, ist hier die Verwendung hochwertiger Encasings, welche nicht rascheln, ratsam.

Hochwertige Matratzen besitzen abnehmbare Matratzenhüllen, die je nach Füllmaterial bei mindestens 60 °C oder chemisch gereinigt werden können. Beachten Sie hierbei die Pflegeanleitung des Herstellers und die Hinweise auf der Etikette. Es empfiehlt sich, den Matratzenbezug, abhängig von der Auslastung, einmal pro Jahr zu waschen. Möchten Sie die Matratze regulär von kleinen Partikeln reinigen, bieten sich weiche Bürsten an. Diese schonen die Auflage.

Neben der Pflege der Hülle sollte auch dem Matratzeninneren Sorge getragen werden. Das regelmässige Wenden der Matratze spielt für eine optimale Abtrocknung eine entscheidende Rolle. Achten Sie hier darauf, die Matratzen mit jeder Reinigung des Matratzenbezuges gemäss den Angaben des Herstellers zu drehen. So kann zudem Liegemulden vorgebeugt und eine gute Stützung des Materials aufrechterhalten werden.

Waschbare Schutzbezüge für Matratzen sind eine weitere Möglichkeit, um die Sauberkeit hoch halten und dabei die Matratzenhülle schonen zu können. Denn qualitativ hochwertige Produkte lassen sich bei jedem Gästewechsel bei 95 °C waschen und sind atmungsaktiv sowie feuchtigkeitshemmend. Auch diese sollten raschelfrei sein.[DOSSIER]

Ein Bettsystem ist eine Investition für ein Jahrzehnt
Selbst bei guter Pflege und hochwertigen Produkten sammeln sich über die Jahre hinweg Rückstände in den Matratzen an. Deshalb sollten Sie das Bettensystem alle acht bis zehn Jahre wechseln. Hierbei lohnt sich die Investition in qualitative Lösungen, welche neben Materialbeständigkeit ebenfalls in der Atmungsaktivität überzeugen und leicht zu reinigen sind. Dies ermöglicht Ihnen nicht nur den Hygienestandard in Ihren Zimmern hoch zu halten, sondern überzeugt auch Ihre Gäste von der Qualität ihrer temporären Schlafstätte.

 

Fachbeitrag

Jeden Tag landet viel Geld im Abfall

Die Gastronomiebranche ist für 14 Prozent der Lebensmittelabfälle der Schweiz verantwortlich. Das Messen und Quantifizieren kann dazu beitragen, Food-Waste zu reduzieren.
Wie viel Food-Waste verursachen Tellerrückläufe?
Wie viel Food-Waste verursachen Tellerrückläufe? Bild: iStock
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Zwei Drittel aller Lebensmittelabfälle könnten vermieden werden. Bei derzeit 2,8 Millionen Tonnen Food-Waste ist dies jedoch ein langer Weg. Auch für die Gastronomiebranche. Ist sie doch für 14 Prozent des gesamten Lebensmittelabfalls in der Schweiz verantwortlich und somit ein wesentlicher Teil des Problems.

Studien des Bundesamts für Umwelt (Bafu) zufolge verursacht die Gastronomiebranche fast 300 000 Tonnen an Lebensmittelabfällen pro Jahr, was zu Kosten in der Höhe von rund einer Milliarde Schweizer Franken führt. Es wird geschätzt, dass im Gastgewerbe durchschnittlich 20 Prozent des gesamten Wareneinsatzes entsorgt werden. [DOSSIER]

Nicht nur die Wirtschaft zahlt ihren Preis für diese Verschwendung, sondern auch die Umwelt. Die Federal Agriculture Organization der Vereinigten Staaten (FAO) geht davon aus, dass pro Kilogramm Food-Waste 2,5 Kilogramm CO2-Äquivalente verursacht werden.

Global betrachtet lassen sich acht Prozent aller von Menschen verursachten Treibhausgase auf Food-Waste zurückführen. Das ist fast derselbe Anteil an der globalen Erwärmung wie derjenige des weltweiten Strassenverkehrs.

Nachhaltig betriebene Restaurants werden immer gefragter
Es besteht aber Hoffnung. Gerade auch für die Gastronomie. Die technologischen Fortschritte der letzten Jahre ermöglichen erstmals die längerfristige Quantifizierung von Lebensmittelabfällen. Dies führt dazu, dass einerseits datenbasierte Branchenvergleichswerte geschaffen und andererseits Massnahmen getestet und ausgewertet werden. Ob der Anstoss nun von der Regierung oder vom sich ändernden Konsumentenverhalten kommt, die letzten Jahre zeigen klar eine wachsende Nachfrage nach nachhaltig betriebenen Restaurants auf.

Was können Sie konkret dazu beitragen? Um das ehrgeizige Ziel von 50 Prozent Abfallreduktion wirklich zu erreichen, ist ein langfristiges Engagement aller Mitverantwortlichen erforderlich. Dazu muss nachhaltiges Arbeiten in die Kernprozesse integriert werden. Was Sie dafür tun können:

  • Werfen Sie öfter einen Blick in Ihren organischen Abfalleimer – Sie werden schockiert sein.
  • Gewinnen Sie eine Übersicht, wie viel von welchen Lebensmitteln entsorgt wird und woher der Abfall kommt (zum Beispiel Tellerrückläufe versus Überproduktion).
  • Implementieren Sie eine Food-Waste-Tracking-Lösung zur Messung.
  • Nutzen Sie die Erkenntnisse und Daten, um Problemstellen zu identifizieren.
  • Setzen Sie sich Ziele und ergreifen Sie Massnahmen.
  • Kommunizieren Sie Ihre Bemühungen und Resultate Ihren Mitarbeitenden und Gästen.

In einem ersten Schritt ist es jedoch wichtig, eine systematische und vergleichbare Methode zu finden, um das Problem sowohl auf Branchen- als auch auf Betriebsebene zu quantifizieren. Denn nur was gemessen wird, kann auch reduziert werden. Denn bis anhin basieren die Zahlen zu Food-Waste oftmals auf Schätzungen, die meist nicht der Realität entsprechen.

Das Ausmass an Food-Waste ist viel grösser als erwartet
Denn vielen fällt es schwer, sich das Ausmass von Lebensmittelabfällen vorzustellen. Und oftmals sind diese viel grösser als erwartet. Messungen haben ergeben, dass grössere Luxushotels in der Schweiz vermeidbare Lebensmittel im Wert von 5000 bis 35 000 Franken pro Monat entsorgen. Dabei könnten sie durchschnittlich bis zu 100 000 Franken pro Jahr einsparen.

Zu den am häufigsten entsorgten Lebensmitteln gehörten unter anderem Brot, Gemüse, Teigwaren und Salat. Durch langfristige und ganzheitliche Messungen wie auch durch Industrievergleichswerte können Betriebe versteckte Kosten aufdecken, Arbeitsprozesse optimieren und entsprechend Kosten einsparen.

Gezielte Massnahmen sind nun dringend notwendig
Angesichts der aktuellen Lage der Branche im Jahr 2021 ist es an der Zeit, Massnahmen zu ergreifen. Es ist relevanter denn je, dass wir unsere Food-Waste-Reduktionsziele erreichen. Für die Umwelt, für die finanzielle Erholung der Branche und um einen nachhaltigen Ressourcenverbrauch zu gewährleisten.

Fachautorin Naomi MacKenzie ist Gründerin und Mitglied der Geschäftsleitung von Kitro. Zusammen mit Anastasia Hofmann hat sie das Start-up 2017 gegründet. Mit künstlicher Intelligenz als Grundlage bietet das Unternehmen eine automatisierte Datenerfassungs- und Analyselösung für Lebensmittelabfälle, die auch in der Hotellerie und Gastronomie eingesetzt wird.

Boxspring-Betten

Mehr als nur ein Trend in der Hotellerie

In der Hotellerie ist das gefederte Bettsystem seit Längerem etabliert. Erfüllt es aber die besonders hohen Anforderungen an Komfort, Ergonomie und Hygiene? Ein Fachbeitrag von Jens Fischer.
Ein gutes Bett bietet nicht nur dem Gast erholsamen Schlaf, sondern kann auch im Hotelalltag eine Erleichterung sein.
Ein gutes Bett bietet nicht nur dem Gast erholsamen Schlaf, sondern kann auch im Hotelalltag eine Erleichterung sein. Bild: Pixabay
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War es früher in der Hotellerie kaum ein Thema, sich über die Qualität der Betten zu differenzieren, gehören Boxspringbetten heute zum Standard vieler Häuser aller Kategorien. Die Betten sehen nicht nur wohnlich aus, sondern lassen sich durch ihren textilen Bezug jedem Stil anpassen.

Da es jedoch Produkte in allen Qualitäts- und Preiskategorien gibt, fällt die Orientierung bezüglich Qualität und Eignung für den extremen Dauergebrauch im Hotel allerdings schwer. Zudem ist die Bezeichnung Boxspringbett kein geschützter Begriff und wird fast inflationär für alle Modelle verwendet, die einen Polsterbezug haben, ungeachtet ihres funktionalen Aufbaus und des Qualitätsanspruchs.

Eine amerikanische Erfindung
Ende des 19. Jahrhunderts suchten amerikanische Bettenhersteller nach einer hygienischeren Lösung für Betten. Diese fanden sie in der Kombination von Federkernmatratzen mit ebenfalls gefederten «Unterboxen» – der Name Boxspring bezeichnet also direkt den Aufbau des Bettes. Durch die doppelte Metallfederung sind Matratze und Box nicht nur sehr gut durchlüftet, es entsteht auch das komfortable, oft als schwebend empfundene Liegegefühl.

Bei «kontinentalen» Boxspringbetten werden nicht nur Box und Kopfbrett, sondern auch die Matratzen mit Stoff oder Leder bezogen, was dem Bett sein typisches Aussehen verleiht. Die direkte Liegefläche bildet der sogenannte Topper. Es handelt sich um eine gepolsterte Matratzenauflage (4 bis 7 cm), die zusätzlichen Komfort generiert. Ihr Bezug lässt sich leicht waschen, und bei Bedarf kann sie einfach ausgetauscht werden, ohne die Matratze erneuern zu müssen. Alternativ kann ein Boxspringbett aber auch mit klassischen Kaltschaum- oder Latexmatratzen kombiniert werden.

Polsterbetten hingegen ähneln Boxspringbetten nur auf den ersten Blick aufgrund des Kopfbretts und ihres Stoff- oder Lederbezugs. Es handelt sich aber im eigentlichen Sinne um einen gepolsterten Bettrahmen, in den Lattenrost und klassische, «weisse» Matratzen eingelegt werden. Von der Qualität dieser Komponenten hängt letztlich das Liegegefühl ab. Oft fällt es durch den fehlenden Topper eher kompakter aus als Boxspringbetten.

Vor- und Nachteile
Beide Systeme – Boxspring sowie Bettrahmen mit Lattenrost und Matratze – haben ihre Vor- und Nachteile.

Boxspringbetten sind aufeinander abgestimmte Systeme, deren einzelne Komponenten zusammenspielen. Achten sollte man aber unbedingt auf die Qualität des Kerns von Matratze und Box, da die Unterschiede bezüglich Komfort und vor allem dauerhafte Rückstellkraft enorm sein können. Ein hochwertiger, zonierter Federkern sorgt für ergonomische Entlastung und Anpassung ohne Durchhängen und Muldenbildung über viele Jahre. [DOSSIER]

Die gut durchlüfteten Betten mit abnehmbaren und auswechselbaren Toppern sind pflegeleicht und damit hygienischer. Sie können gar mit abwaschbaren Stoffen oder Kunstleder bezogen werden und bieten somit eine echte Erleichterung im Hotelalltag. Durch das abgestimmte System wirkt das Bett wie «aus einem Guss» und vermittelt Gemütlichkeit und Wohnlichkeit.

Qualität zahlt sich aus
Bei traditionellen Polsterbetten mit Lattenrost besteht die Liegefläche aus gefederten Holzleisten. Eine echte Alternative also für die, die nicht auf Metallfedern schlafen möchten. Dadurch, dass die Elemente des Betts einzeln zusammengestellt werden, lassen sich diese ausserdem oft noch individuell variieren und optimal konfigurieren. So kann durch die Kombination der einzelnen Komponenten präzise der gewünschte Liegekomfort definiert werden. Vorteil vom Polsterbett ist der modulare Aufbau auch im Falle von Reparatur und Ersatz. So können einzelne Elemente unkompliziert ausgetauscht werden.

Egal, welches Bettsystem im Einsatz ist, entscheidend ist die Qualität von Materialien und Verarbeitung. Gerade bei hohen Dauerbelastungen sollte ein Bett materialbeständig, atmungsaktiv, schadstofffrei (z. B. durch Oeko-Tex zertifiziert) und leicht zu reinigen sein. Letztlich lässt sich das qualitativ bessere Bett über längere Zeit verwenden, sodass die Kosten pro Nacht durch die höhere Amortisationsdauer sinken. Und dies ganz abgesehen von zufriedeneren Gästen, die sich vielleicht bald ein Boxspringbett für zu Hause anschaffen, weil sie im Hotel gut geschlafen haben.

Fachautor Jens Fischer ist Direktor Marketing und Produktentwicklung von Hilding Anders Switzerland AG, zu der die Marken Bico und Happy Professional gehören.

Fachbeitrag

Ausgezeichnet – der Weg zur nachhaltigen Betriebsführung

Mit dem Label «Swisstainable» können sich touristische Betriebe nachhaltig positionieren, Geld sparen und das Betriebsklima für die Mitarbeitenden verbessern.
Nachhaltiges Reisen entspricht einem wachsenden Gästebedürfnis und bedeutet nicht zwingend Verzicht.
Nachhaltiges Reisen entspricht einem wachsenden Gästebedürfnis und bedeutet nicht zwingend Verzicht. Bild: Switzerland Tourism / Lorenz Andreas Fischer
Bild: Switzerland Tourism / Lorenz Andreas Fischer

Mit dem klaren Ziel, die Schweiz als nachhaltiges Reiseziel bekannter zu machen, präsentiert Schweiz Tourismus sein Programm «Swisstainable» – ein Wortspiel aus «Switzerland» und «Sustainable». Endlich – hat sich wohl so mancher Touristiker gedacht – kommt Klarheit und Übersichtlichkeit in den Label-Dschungel. Bewusst verzichtet Schweiz Tourismus auf einen neuen Kriterienkatalog und anerkennt stattdessen bestehende Auszeichnungen und Zertifizierungen. Diese bestätigen das Engagement der Leistungsträger, in den Bereichen Soziales, Umwelt, Finanzen, Management und/oder Regionalität mehr zu tun, als das Gesetz und die aktuelle Wahrnehmung vorschreiben.

Grundsätzlich geht es bei der Nachhaltigkeitsausrichtung um folgende Schritte:

Commitment und klare Standortbestimmung als Basis
Voraussetzung ist ein Management, das zu 100 Prozent von der nachhaltigen Betriebsführung überzeugt ist, als Vorbild auftritt und sowohl die personellen als auch die finanziellen Ressourcen bereitstellt. Die Zuständigkeit muss klar geregelt sein, wobei die Hauptverantwortung in der höchsten Führungsebene bleibt. Damit wird sichergestellt, dass die Nachhaltigkeit hohen Stellenwert geniesst und die Kontinuität durch die Integration in das Organisationsumfeld gewährleistet ist.

Die verantwortliche Person stellt ein Projektteam zusammen, welches das aktuelle oder zukünftige Leitbild aus Sicht der Nachhaltigkeit unter die Lupe nimmt. Die Nachhaltigkeitscharta dient als Vorgabe für die zukünftige Ausrichtung in den Bereichen Management und Personalführung, Einkauf und Entsorgung, Angebotsgestaltung (Hotel, Gastronomie, Freizeitaktivitäten), Infrastruktur (Mobilität, Umbau, Wasser und Energie) und Kooperationen. Selbstverständlich immer mit Blick auf das entsprechende Gästesegment.

Eine Standortbestimmung aufgrund klarer Kennwerte und deren Vergleich mit dem Benchmark zeigen den Betrieben, wo sie stehen, und ihr Potenzial. Dieser auf den ersten Blick zeitaufwendige Prozess ermöglicht es, zielgenaue Massnahmen in die Wege zu leiten und deren Auswirkungen später zu vergleichen – oftmals auch mit willkommenen finanziellen Einsparungen beim Ressourcenverbrauch.

Schritt für Schritt wird nun der Verbesserungsprozess in die Wege geleitet. Sinnvoll ist es, dort zu beginnen, wo Aufwand und Nutzen in einem guten Verhältnis stehen und auch – insbesondere gegenüber den Mitarbeitenden – rasch und motivierend umgesetzt und kommuniziert werden können. Auch hier zeigt die Erfahrung, dass weniger mehr ist. Sechs bis zehn Massnahmen pro Jahr garantieren eine Übersichtlichkeit, ermöglichen eine qualitative Umsetzung und lassen dennoch Freiraum für das fordernde Daily Business.

Sensibilisierung und Umsetzung im Hotelalltag
Nachhaltigkeit funktioniert nur, wenn alle Beteiligten am gleichen Strick ziehen. Das bedeutet, dass die Regeln verbindlich sind und durch die Vorgesetzten konsequent angewendet werden. Es bedeutet aber auch, die Hintergründe der Regeln aufzuzeigen, zu erklären und so ein Verständnis für ein nachhaltiges Verhalten zu fördern. Die Sensibilisierung dient nicht nur dem Betrieb; das neue Wissen wird idealerweise von den Mitarbeitenden auch in den privaten Alltag integriert.

Nach und nach wird das Konzept im Hinblick auf Nachhaltigkeit umgestellt. Die Charta bildet dazu die Leitplanken. Daneben ist es klassische Führungsarbeit, die in die Wege geleiteten Massnahmen zu kontrollieren und bei Bedarf Korrekturen anzubringen. Regelmässige interne Audits unterstützen diesen Prozess. Betriebe, welche ihre Nachhaltigkeitsleistung auch ins Marketing einfliessen lassen wollen, tun gut daran, die Performance durch einen externen, neutralen Zertifizierer überprüfen zu lassen.

Nutzen Sie die Chance und den Trend – starten Sie jetzt
Eine Nachhaltigkeits-Auszeichnung dient der glaubwürdigen, überprüfbaren Kommunikation auf dem Markt und gegenüber den Gästen. Sie ist ebenso ein deutliches Bekenntnis gegenüber Mitarbeitenden, die eine verantwortungsvolle Arbeitgeberin suchen und schätzen.

Touristische Leistungsträgerinnen können dabei nur gewinnen: Auseinandersetzung mit den internen Strukturen, klare Standortbestimmung, Bindung der Mitarbeitenden, Einsparungen von Ressourcen. Die neu gestartete Kampagne «Swisstainable» von Schweiz Tourismus stellt mit Marketingunterstützung die Leistungsträger, Labels und die vielen positiven Resultate für mehr Nachhaltigkeit gezielt ins Rampenlicht.

swisstainable.ch

Anita Gschwind ist diplomierte Restauratrice-Hotelière HF, Erwachsenenbildnerin und ausgebildete Köchin. Mit Wurzeln in der Landwirtschaft, liegt ihr der nachhaltige und sorgfältige Umgang mit den natürlichen Ressourcen am Herzen. Seit August 2016 leitet sie die Geschäftsstelle des Nachhaltigkeitslabels Ibex Fairstay.
ibexfairstay.ch