Der Walliser Hotelier-Verein (WHV) kritisiert restriktive Massnahmen wie Moratorien und Betriebskonzepte, die die Hotellerie einschränken. Während der Verband die Notwendigkeit zur Erhaltung der Wirtschaftsstrukturen anerkennt, warnt er vor simplen und diskriminierenden Verschärfungen.
Co-Präsidentin Lara Berra betont, dass Vorbehaltsgebiete den Status quo sichern, aber Innovation und Wettbewerbsfähigkeit hemmen können. «Die Aufrechterhaltung von nicht-wettbewerbsfähigen Betrieben führt zu einem schlechteren Angebot der Destinationen, und das ist bestimmt nicht in ihrem Interesse», sagt sie. Der Markt sei dynamisch und reguliere sich über die Zeit selbst. Tourismuszonen für Neubauten seien sinnvoll, bei bestehenden Hotels brauche es jedoch differenzierte Ansätze. Unrentable Betriebe sollten die Möglichkeit haben, sich aus dem Markt zurückzuziehen.
Der WHV fordert, dass Gemeinden gemeinsam mit der Branche an Lösungen arbeiten, um negative Auswirkungen zu minimieren. Denkbar seien öffentliche Investitionen in Hotels, die professionell betrieben werden. Moratorien lehnt der Verband strikt ab, da sie Rechtsunsicherheit schaffen.
Kritisch sieht der WHV auch verpflichtende Betriebskonzepte für Wohnraum bei Neubauten. Diese benachteiligten neue Hotels doppelt: innerhalb der Branche und gegenüber anderen Arbeitgebern. Alternativ sollen erprobte Lösungen zur Schaffung von Erstwohnungen geprüft werden.
Die Hotellerie sei ein Schlüsselsektor der Walliser Wirtschaft. Der WHV appelliert an die Gemeinden, mit Hoteliers zusammenzuarbeiten, um nachhaltige Entscheidungen für die Region zu treffen. (mm/bb)
Nachgefragt
Beat Eggel: «Unser Ziel ist natürlich nicht, die Schliessung von Betrieben zu fördern»
Beat Eggel, welche konkreten Alternativen schlägt der WHV vor, um die wirtschaftlichen Strukturen der Hotellerie zu sichern, ohne auf restriktive Massnahmen wie Moratorien oder Betriebskonzepte zurückzugreifen?
Zuerst einmal versteht der WHV, dass die Gemeinden, die verpflichtet sind, ihre Raumplanung zu überarbeiten, sich Gedanken über die zukünftige Nutzung ihres Raumes machen müssen. Wir verstehen auch, dass sie Massnahmen ergreifen, um das Angebot an Hotelbetten zu erhalten oder auszubauen. Wir wollen sie nur dafür sensibilisieren, die Instrumente der Raumplanung proportional und angemessen einzusetzen. Die Vorbehaltsgebiete sind ein zweischneidiges Schwert. Sie wahren zwar den Status quo, garantieren aber nicht die Lebensfähigkeit der Betriebe und fördern langfristig nicht die Innovation.
Die Aufrechterhaltung von nicht-wettbewerbsfähigen Betrieben führt zu einem schlechteren Angebot der Destinationen, und das ist bestimmt nicht in ihrem Interesse. Unser Verband lehnt Moratorien grundsätzlich ab, da sie unnötige Rechtsunsicherheit bei den Hoteliers schaffen, die vor dem Aus stehen oder nach einer Alternative suchen – aber auch bei potenziell interessierten Investoren. Wenn die Gemeinden Reservezonen für Hotels einführen, müssen sie bei bestehenden Betrieben einen differenzierten Ansatz verfolgen.
Wie könnte ein differenzierter Ansatz für bestehende Hotels aussehen, wenn Gemeinden Reservezonen für Hotels einführen? Welche Kriterien wären dabei entscheidend?
Es gibt keinen magischen Zaubertrank, aber die Situationen können von Gemeinde zu Gemeinde und innerhalb einer Gemeinde von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich sein. Grösse, Alter, Lage oder Ausstattungsniveau sind zum Beispiel entscheidend für ihre Lebensfähigkeit. Sind die Betriebe nicht mehr wettbewerbsfähig, sollen die Eigentümer über ihr Immobilien-«Kapital» verfügen und sich aus dem Markt zurückziehen können. Die Auflösung eines Hotels oder seine Umnutzung sind kein Tabu. Unser Ziel ist natürlich nicht, die Schliessung von Betrieben zu fördern, aber die wirtschaftliche Freiheit ist für uns wichtig.
Der starke Preisanstieg bei Immobilien hat dazu geführt, dass sich der Abstand zwischen dem Immobilienwert eines Hotels und seinem Ertragswert stark vergrössert hat.
Inwiefern könnten Anreize oder finanzielle Unterstützungen für Hotels, wie sie in Val de Bagnes und Anniviers existieren, auf andere Gemeinden im Wallis übertragen werden? Gibt es bereits Gespräche dazu?
Die Situation ist je nach Destination unterschiedlich und hängt vom Hotelangebot und den finanziellen Mitteln ab, die der jeweiligen Gemeinde zur Verfügung stehen. Sobald die Gemeinden jedoch durch die Schaffung von Hotelzonen davon ausgehen, dass es sich bei Beherbergungsbetrieben um systemrelevante Betriebe handelt, sollten sie sich dazu verpflichten, Anreize, Darlehen oder sonstige Unterstützungen bereitzustellen. Es gibt in verschiedenen Gemeinden entsprechende Gedanken.
Warum hält der WHV den Markt für ausreichend dynamisch, um sich selbst zu regulieren, obwohl in manchen Tourismusregionen Hotelbetriebe schliessen und Umnutzungen zunehmen?
Im Prinzip sind wir für einen liberalen Markt. Aus Sicht des Verbands ist der Markt dynamisch und reguliert sich im Laufe der Zeit. Sollte das Hotelangebot einmal knapp werden, verwirklichen sich Projekte auf natürliche Weise. Nicht jede Region steht dieser Situation gleich gegenüber. Es gibt natürlich auch Betriebe, die schliessen, was bedauerlich ist, aber die Gründe dafür sind vielfältig. Das kann an fehlendem Nachwuchs liegen, aber nicht nur.
Der Markt verändert sich ständig, und auch die Konsumgewohnheiten ändern sich. So hat beispielsweise der starke Preisanstieg bei Immobilien dazu geführt, dass sich der Abstand zwischen dem Immobilienwert eines Hotels und seinem Ertragswert stark vergrössert hat. Auch die Konkurrenz durch andere Unterkunftsformen wie Wohnungsvermietungen hat sich verstärkt. Diese Art von Angeboten spielt nicht in der gleichen Liga. Die Regeln und Anforderungen für die private Vermietung von Wohnungen sind praktisch inexistent (z. B. Sicherheit, Hygiene, Patent), was diese Geschäftstätigkeit einfacher und leichter macht. Der WHV ist der Meinung, dass dieses Thema ernsthaft behandelt werden sollte.
Wie sieht der WHV die Rolle der Gemeinden in der Zukunft? Sollte der Staat stärker in die Hotellerie eingreifen oder sich eher auf Rahmenbedingungen für Investitionen konzentrieren?
Im Allgemeinen sollte sich die Politik auf die Rahmenbedingungen konzentrieren. Wenn die Behörden jedoch zwingende Massnahmen ergreifen, müssen sie diese mit unterstützenden Massnahmen begleiten. Der WHV stellt erfreut fest, dass die öffentliche Hand die Beherbergungsbranche als Schlüsselsektor der wirtschaftlichen Entwicklung einstuft.
Wir rufen daher die Gemeinden auf, mit den Hoteliers zusammenzuarbeiten, und insbesondere mit den Regionalsektionen des WHV, um die Situation klarer zu erfassen und nachhaltige Entscheidungen für die Region und ihre Wirtschaftsakteure zu treffen. In bestimmten Fällen sind auch der Erwerb und die Sanierung von Hotelobjekten durch die Gemeinden zwecks Vermietung an professionelle Betreiber denkbar. Die Investitionsrendite über die direkten und indirekten Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft würde sich rasch als vorteilhaft erweisen.